“Keramik ist Erde, gebrannte Erde, mit Wasser zur Verformung vorbereitet, an der Luft getrocknet und im Feuer für die Ewigkeit verfestigt. Keramik ist die Verbindung aller vier Elemente der Natur, Keramik kommt aus der Natur und wird zu einer bleibenden Erinnerung an den, der es geschafft hat die Elemente zu bändigen und zu vereinigen.”
Diese Aussage, die mir in einem alten Werkstoffbuch auffiel ist zugleich poetisch, etwas philosophisch und dennoch real. Sie beschreibt den für den Betrachter und den Erschaffer oft wundervollen Werkstoff, genauso wie die in ihm realisierten Ideen, Gedanken und Träume. Und ich denke auch, dass man das Arbeiten mit dem Werkstoff Keramik nicht besser beschreiben kann, zumindest nicht für die Menschen, die sich künstlerisch schaffend mit ihm auseinander setzen, die sich selbst in ihm wieder zu finden versuchen, die es wagen einen Teil ihrer Selbst in ihn hinein zu generieren, ihn mit Leben zu erfüllen. Vielen unseren Absolventinnen und Absolventen gelingt dies von Jahr zu Jahr immer wieder auf eine erstaunliche Art und Weise. Immer wieder neue Ideen, immer wieder neue Fantasien, immer wieder neue Ansätze, immer wieder neue spielerische Experimente zeigen uns, dass das Interesse an der Keramik immer noch sehr präsent ist. Auch wenn den Produkten oft nicht mehr genügend Aufmerksamkeit im Alltag gewidmet wird, so hat doch die Keramik in der Kunst und im Design in den letzten Jahren meines Erachtens wieder einen relativ hohen Stellenwert erlangt. Dies verdankt er jungen, frischen Keramikerinnen und Keramikern, voller Ideen und Tatendrang. Genau das ist, unter vielen anderen Dingen auch, ein Ziel unserer Ausbildung. Ob dies immer gelingt, sei dahin gestellt. Aber die handwerklichen, gestalterischen und künstlerischen Grundlagen sind nun gelegt. Was daraus in Zukunft wird und wohin sich die weitere Reise begibt, muss jeder der Absolventinnen und Absolventen nun für sich alleine entscheiden. Wichtig ist nur, dass man sich seiner Vorstellungen und Träume und deren Verwirklichungspotenzial bewusst wird. Nichts ist schlimmer als eine nie zu verwirklichende Fantasie, aber nichts ist für die Weiterentwicklung negativer als keine Fantasie und keine Träume zu haben. Hier die richtige Mischung und den richtigen Weg zu finden wird mit entscheidend für das sein, was jeder unserer Absolventinnen und Absolventen in ihrem bzw. seinem zukünftigen keramischen Weg noch erreichen wird.
Ich wünsche den Absolventinnen und Absolventen das richtige Gespür, diesen Weg für sich zu finden. Ich rate Ihnen zu Offenheit gegenüber Neuem und Anderem, offene Augen für die Veränderlichkeiten der Welt, für die sie in Zukunft kreativ tätig werden wollen. Dabei wünsche ich Ihnen Erfolg und das sich damit einstellende Glücksgefühl. Von dem sehenden und hoffentlich staunenden Publikum wünsche ich mir, dass es sich so oft wie möglich entscheidet, mehr wissen zu wollen und nachzufragen. Ich wünsche mir ebenso Lob, wie Kritik, Ideen und Anstöße für die Absolventinnen und Absolventen und selbstverständlich auch für unsere Schule.
Klaus Lehnhäuser
Schulleiter