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Entwicklungshilfe pur: mit Handwerk! Drucken E-Mail

meujoh-hastenteufel-kamara.jpgKeramiker aus Sierra Leone absolvieren Praktikum in der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen. Arno und Ute Hastenteufel, Keramiker aus Hilgert betreuen keramisches Entwicklungshilfeprojekt in Sierra Leone.

Die 28-jährige Wuyatta Meujoh und der 42-jährige Brima Kamara aus dem afrikanischen Sierra Leone konnten in einem vierwöchigen Praktikum ihre keramischen Kenntnisse in den verschiedenen Fachbereichen und Werkstätten der Fachschule für Keramikgestaltung erweitern. Ziel dieser Ausbildung ist es, das die beiden Sierraleoner die gewonnenen Kenntnisse weiteren Keramikern vor Ort vermitteln, um so Ausbildungsprojekte im keramischen Handwerk zu unterstützen. Diese sollen zur Befriedung und Aufbau des westafrikanischen Landes beitragen, dass nach langem Bürgerkrieg zu den ärmsten Ländern zählt.

Gefördert vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) aus Bonn in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation Sierra Leone Adult Education Association (SLADEA) aus Sierra Leone, wird bereits seit 2005 in Waterloo, Sierra Leone ein Ausbildungszentrum für junge Keramiker unter der Projektleitung von Arno Hastenteufel, Keramikmeister und Ute Hastenteufel, Keramikgestalterin aus Hilgert im Westerwald errichtet und ausgebaut.

Arno Hastenteufel ist Keramiktechniker, Keramikmeister und Brennmeister an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen. Ute Hastenteufel ist Keramikgestalterin und betreibt mit ihrem Mann eine Keramikwerkstatt in Hilgert.  Beide sind Absolventen der Staatlichen Fachschulen für Keramikgestaltung und Keramiktechnik in Höhr-Grenzhausen. Durch ihre Ausbildung und langjährige Tätigkeit im Keramikhandwerk und die anschließende Weiterbildung zur Keramikgestalterin bzw. zum Keramiktechniker verfügen die Hastenteufels über umfassende praktische und theoretische Kenntnisse.

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Ute und Arno Hastenteufel (rechts) betreuen die Auszubildenden des "Lettie Stuart Pottery Ceramic Center", in Waterloo, Sierra Leone

Das "Lettie Stuart Pottery Ceramic Center", Campbell Town in Waterloo, Sierra Leone

Zur Errichtung eines Ausbildungszentrums für junge Keramiker musste zunächst Grundlegendes vor Ort ermittelt werden. Wie sind die heimischen Rohstoffe beschaffen? Sind Werkstätten und Maschinen vorhanden und funktionsfähig? Wie sieht die Marktsituation und Potential für keramische Produkte aus? Mit welchen Kenntnissen und Motivation der Sierraleoner kann gerechnet werden? Alle diese Antworten mussten von Arno und Ute Hastenteufel vor Ort im Rahmen einer Vorstudie ermittelt werden, um ein praktikables Konzept zu entwickeln.

Sierra Leone bietet einen großen Rohstoffreichtum. Die Exploration der Rohstoffe des Landes lag lange Jahre brach und weite Teile sind noch unerschlossen. Es existieren unter anderem qualitativ hochwertige Gold- und Diamantenvorkommen. Vor der Küste Westafrikas haben Energiekonzerne riesige Ölvorkommen entdeckt.

Jedoch sind die Straßen zerstört, es gibt kaum Strom, die Landwirtschaft liegt am Boden. Sierra Leone muss teuren Reis aus China und Indien importieren, Palmöl aus Malaysia, Tomaten und Zwiebeln aus Holland. Gleichzeitig gibt es keine verarbeitende Industrie, um Maniokpulver oder Saft aus Mangos, Orangen und Ananas herzustellen, die an jeder Ecke wachsen. Noch nicht einmal ein Drittel des Haushalts kann die schwache sierra-leonische Wirtschaft selbst stemmen.

Keramische Rohstoffe

In vielen Landesteilen, besonders in den Niederungen, gibt es Tone unterschiedlicher Qualität. Analysen sind nicht vorhanden. In der gesamten Gebirgsregion lagern präkambrische Granite. Feldspatvorkommen sind naheliegend wurden aber bisher nicht erforscht. Das Interesse konzentrierte sich eher auf Rutil, Bauxit, Chromoxid und andere wertvolle Rohstoffe.

Um möglichst viele Tone ausfindig machen zu können wurden Exkursionen zu verschiedenen Lagerstätten unternommen. Die entnommenen Proben wurden in Höhr-Grenzhausen mit Unterstützung der Fachschulen für Keramik den entsprechenden Prüfverfahren unterzogen. Auch für unterschiedliche Anwendungsbereiche geeignete Mischungen verschiedener Rohstoffe wurden ermittelt.

In Höhr-Grenzhausen ist es gelungen aus nur zwei lokalen Rohstoffen, Holzasche und Granit, eine perfekte Steinzeugglasur zu entwickeln, mit der die erste glasierte Keramik in ganz Sierra Leone hergestellt wurde.

Werkstatt und Ausstattung

Ein Werkstattgebäude mit einfacher Ausstattung ist vorhanden, beschränkt sich jedoch auf einen Generator und Fußscheiben zum drehen. Im Reisegepäck der Hastenteufels:  Eine gebrauchte Glasurmühle zum zerkleinern des Gesteins und der Bausatz eines kleinen holzbefeuerten Brennofens, der sich schon in einigen Entwicklungsprojekten bestens bewährt hat, gebaut vom Kollegen Michael Sälzer. Das sind die Herzstücke der keramischen Produktion.

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Dekorentwicklung mit Paspartout-Technik mit Ute Hastenteufel

Entwicklungshilfe pur: mit Handwerk!

Während Ute Hastenteufel die Unterweisung in Glasuraufbereitung- und Anwendung übernimmt, experimentelle Dekorentwicklung auf der Basis traditioneller, landestypischer Dekorationen vermittelt, baut Arno Hastenteufel zusammen mit einigen WorkshopteilnehmerInnen den Ofen, der innerhalb von 10 Tagen viermal auf 1260°C gebrannt wird. Sie stellen die erste glasierte Keramik im Land her. Alle Beteiligten sind stolz auf die unerwartet guten Ergebnisse.

Mit Know-how und den Fertigkeiten des keramischen Handwerks bieten Arno und Ute Hastenteufel jungen Menschen gute Zukunftsaussichten und Perspektiven, die weiterführender sind, als viele denken. Besonders die hohe Motivation und das Talent der derzeitigen sechs Auszubildenden im Lettie Stuart Pottery Ceramic Center, machen die Errichtung des Ausbildungszentrums sinnvoll und notwendig.

Die von Wuyatta Meujoh und Brima Kamara in den Fachschulen für Keramik, Höhr-Grenzhausen gewonnenen Kenntnisse im Rahmen des Praktikums werden die Arbeit im Ausbildungszentrum gezielt voranbringen und die Entwicklung der Region unterstützen. Handwerk hat Zukunft, auch in Sierra Leone!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.entwicklungshilfe-keramik.de,
www.fs-keramik.de, www.fs-keramik.de/arno-hastenteufel.html
oder direkt bei Arno Hastenteufel, Fachschulen für Keramik, 02624-9407-0

Text: Rolf Bayer, Fotos: Ute und Arno Hastenteufel, Rolf Bayer

 
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