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Die Keramikwelt schaute nach Oberbayern: Rund 60.000 Keramikfreunde erwartete die Marktgemeinde Diessen an den vier Töpfermarkttagen. Die Großveranstaltung begann traditionsgemäß zu Christi Himmelfahrt, am Donnerstag, 13. Mai und endete am Sonntag, 16. Mai. Es ist der zehnte Markt entlang des naturbelassenen Seeufers. Es zeigten 150 Töpfer aus Europa einen Querschnitt ihres Schaffens.
Die Jury mit Fachleuten aus Kunst und Keramik hat aus nahezu 400 Bewerbungen wieder 150 Keramiker aus 12 europäischen Ländern ausgewählt. Ihr zeitgenössisches Schaffen bietet einen Überblick des keramischen Kunsthandwerks in Glasur, Form und Dekor. Somit war Diessen wieder der Anziehungspunkt für Sammler, Galeristen und Keramikfreunde aus aller Welt.
Von der Fachschule für Keramikgestaltung mit dabei:
Regina Fleischmann, Julia Winter, Lina Danklefsen und Verena Marks und die Fachlehrerin Barbara Kaas.
Artikel aus BRANDheiss, Seite 18.
BRANDheiss ist eine artbeate production (Beate Bentele).
Tönerne Studien für Europa
Lernen und forschen in Höhr-Grenzhausen
Sie kommen langsam, aber gewaltig: Deutschlands Ausbildungszentren für keramische Berufe nehmen heuer am Diessener Töpfermarkt aktiv teil: Einmal ist die Staatliche Fachschule für Keramik Landshut (KFL) im Infozelt (mehr dazu auf Seite 17)und zum anderen sind die Staatlichen Fachschulen für Keramikgestaltung und Keramiktechnik aus Höhr-Grenzhausen mit einer Gruppe Schülerinnen am Seeufer. Sie betreuen und testen den ersten Original Diessener Töpfermarktstand (Siehe auch rechte Spalte).
Lesen Sie hier mehr über das Keramikzentrum in Höhr-Grenzhausen am Westerwald, das aus oberbayerischer Sicht vom Ammersee recht weit weg ist. Was die Regionen verbindet, sind die Töpfertraditionen. Im Westerwald ging die Entwicklung über das handwerkliche Arbeiten mit Ton weit hinaus, denn es entstanden spezifische Forschungs- und Schulungseinrichtungen. Deshalb kennt man die Region weltweit als ein Zentrum der keramischen Wirtschaft.
Heute wird im Kannenbäckerland studiert
Seit Jahrhunderten wurde in und um Höhr-Grenzhausen das salzglasierte, grau-blaue Westerwälder Steinzeug gefertigt. Von den einst zahlreichen Werkstätten arbeiten heute nur noch wenige traditionelle Betriebe. Die meisten „Kannenöfen“ und „Eulerein“ existieren nicht mehr. Dank der vielen keramischen Ausbildungsmöglichkeiten hat sich in Höhr-Grenzhausen jedoch eine einzigartige zeitgenössische Keramikszene entwickelt.
Die Stadt gilt als das größte Bildungs- und Forschungszentrum für Keramik in Europa. Die Bandbreite des keramischen Schaffens reicht von Irdenware über Steinzeug bis zum Porzellan, von Skulpturen, Gartenkeramik bis zu Kachelöfen, Baukeramik und künstlerischen Unikaten. Das Bildungs- und Forschungs-Zentrum Keramik (BFZK) in Höhr-Grenzhausen ist mit sieben Institutionen ein Dachverband aller keramischen Institute und in seiner Konstellation weltweit einzigartig.
Das Netzwerk hat das Ziel, den Werkstoff Keramik in all seinen Variationen zu fördern und zu vermarkten. Es gehören dazu das CeraTechCenter, das Keramikmuseum Westerwald, die Fachhochschule Koblenz (Fachbereich Werkstofftechnik, Fachrichtung Glas und Keramik), das Forschungsinstitut für Anorganische Werkstoffe Glas und Keramik, die Staatlichen Fachschulen für Keramikgestaltung und Keramiktechnik, die Fachhochschule Koblenz (Institut für Künstlerische Keramik und Glas), sowie die Berufsbildende Schule Montabaur (Abteilung Keramik).
Noch ein Wort zur Ausbildung: Eine Ausbildung zur Keramikgestalterin bzw. zum -gestalter an der Staatlichen Fachschule für Keramikgestaltung in Höhr-Grenzhausen baut auf Vorkenntnisse im Keramikerhandwerk. Die Ausbildung kann in Vollzeitform (drei Jahre) oder in Teilzeitform absolviert werden. In praxisorientierten Modulen von etwa acht Wochen Dauer werden dabei sowohl theoretische als auch praktische Inhalte bearbeitet. Grundlegend werden in diesen Modulen arbeits-, lern- und werkstofftechnische, betriebs- und markttechnische sowie fremdsprachliche Inhalte erarbeitet.
Labors und Ateliers bieten einen in der keramischen Ausbildung hohen Standard mit einer exzellenten Ausstattung und somit hervorragende Voraussetzungen, den Werkstoff Keramik für die handwerkliche, industrielle und künstlerische Gestaltung auszutesten. Die eigenständige Planung, Entwicklung und Umsetzung von Projekten wird gefördert, die stets offenen Werkstätten laden zu eigenen Experimenten ein. Die anfangs breit ausgelegte Ausbildung konzentriert sich später auf individuelle Schwerpunkte.
INFORMATION
Fachlehrerin Barbara Kaas
aufeinander gestapelt
ineinander gesetzt
miteinander verbunden
Der erste Original Diessener Töpferstand wird ganz schön beachtet werden auf dem Markt am See. Freuen darf man sich vor allem auch auf die Keramiken, die in dem transparenten Pavillon, der in seiner Grundform an einen Schiffsrumpf erinnert, ausgestellt werden. Schülerinnen der Fachschule für Keramikgestaltung zeigen Ergebnisse aus ihrem Ausbildungsmodul „Gefäßgestaltung“. Die Einzelformen, so berichtet Fachlehrerin Barbara Kaas können aufeinander gestapelt, aneinander gereiht, ineinander gesetzt oder miteinander verbunden werden. Dabei können die Gefäße auch mehrere Funktionen erfüllen, ein Verschluss (Dosendeckel) könnte gleichzeitg die Funktion einer Schale erfüllen. Die Fachschülerinnen waren übrigens auch auf der diesjährigen Handwerksmesse und präsentierten in der „Sonderschau Exempla“ Handwerkliches.
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